tagebuch
day 9

Ich stehe um 7 Uhr auf und mache einen Spaziergang durch das weitläufige Campingareal. Zu dieser Zeit erscheint am Horizont bereits die Sonne und erwärmt so angenehm die Luft, dass wir draussen frühstücken können. Anschliessend verlassen wir den Platz und fahren entlang dem South Rim ostwärts. Unzählige Aussichtspunkte säumen den Weg. Selbstverständlich werden bei jedem 2 oder 3 Fotos geknipst, was für die Kinder dann doch etwas gar langweilig wird. Es ist ja schliesslich immer die gleiche Schlucht, die haben wir doch schon gestern gesehen. Es wird vereinbart, dass die Kids nur jedes zweite Mal aussteigen müssten. An einem eben dieser Aussichtspunkte, wo viele Gäste mit Shirts und Sandalen rumspazieren, erreichen in diesem Augenblick zwei Wanderer mit Rucksäcken und mehreren umgehängten Trinkflaschen völlig ausgepumpt aber glücklich scheinend den Canyonrand. Sie sind wohl heute bereits in aller Frühe losmarschiert. Der Höhenunterschied von hier oben bis zum "Talboden" beträgt etwa 1500 Meter. Der letzte Aussichtspunkt (bei einer Anreise von Osten her, wäre es der erste) ist "Desert View" mit dem alten Indianerturm, der heute nur noch als - na was schon - Souvenirshop dient.
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Man findet hier ein kleines Besucherzentrum sowie ein Restaurant. Für mich persönlich ist das der schönste Aussichtspunkt, sieht man doch einerseits sehr schön auf den Lauf des Colorados und kann anderseits in die weite Wüste blicken, da sich dort gegen Osten der Canyon öffnet. 

Wir verlassen den Grand Canyon National Park und fahren auf der 64 in Richtung Cameron. Entlang dieser gut ausgebauten Strecke befinden sich viele Marktstände, an denen Navajo's ihren Schmuck anbieten. Um zum Aussichtspunkt des "Little Colorados" zu gelangen, müssen wir zwingend durch eine grössere Kolonie solcher Markstände spazieren, weil alle anderen Wege abgeriegelt sind. Das stört aber unsere zahlreichen weiblichen Familienmitglieder keineswegs, hätten sie doch ihrer Ansicht nach bereits genug Schluchten gesehen. Der Autor hingegen schaut dennoch kurz in die Tiefe. Der Fluss dort unten ist ausgetrocknet. Zurück auf dem Parkplatz besteigt gerade ein älteres Paar eine jüngere Corvette und braust davon; toll, dass ich auch in Zukunft noch Träume haben darf. Weiter geht es auf der Strasse 89 in Richtung Page und des Lake Powell. Das tönt ich ersten Augenblick relativ langweilig, die Strecke ist aber landschaftlich absolut spektakulär. Wir durchqueren die Wüste "Painted Desert" und fahren durch die "Echo Cliffs". Auf der ganzen, meist vierspurigen Strecke, wimmelt es geradezu von genialen Trucks, die mit erstaunlichen Geschwindigkeiten an uns vorbeiziehen. Kurz nach der Verzweigung 89/89alt, führt uns die Strasse entlang eines Bergrückens aufwärts. Auf halber Höhe findet man einen Parkplatz, von wo aus man unbedingt die Aussicht auf das Coconino-Plateau und den Marble Canyon (Colorado) geniessen sollte. Selbst dann, wenn einem ein paar Navajo-Indianer(innen) Schmuck anbieten wollen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Indianer sind sehr freundlich und in keiner Weise aufdringlich. Da gehen in vielen europäischen Ländern Marktschreier ganz anders zur Sache. Und noch eine Randbemerkung: Die Indianerinnen sind - natürlich subjektiv betrachtet - sehr hübsch anzuschauen.
Nach wenigen Meilen erreichen wir Page; ein Grosseinkauf scheint dringend nötig zu sein. Im riesigen Einkaufszentrum wird einem die Gegensätzlichkeit zwischen Indianern und der übrigen Bevölkerung bewusst, den die Eingeborenen passen irgendwie nicht in diese Konsumtempel rein. Fakt ist aber wohl eher, dass diese Konsumtempel nicht in dieses Indianergebiet rein gehörten. Wir beziehen den Campground am Lake Powell, der innerhalb des "Glen Canyon National Recreation Area" liegt. Der Platz ist zwar sauber und mit allem Nötigen ausgerüstet, aber völlig unromantisch und eher ein Abstellplatz für Camper und Boote. Das eigentliche Leben findet auf dem See statt. Wir plaudern mit einem älteren Ehepaar aus Holland und fahren dann nochmals nach Page (15 Min), um beim Italiener zu essen.

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