tagebuch
day 4

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Tag wird wohl der intensivste unserer Reise werden und in uns unheimlich starke Eindrücken was Landschaft, Flora und Fauna betrifft, hinterlassen. Nach unserem ersten Camperfrühstück fahren wir zum Visitor Center um uns zu informieren, wie wir die uns zur Verfügung stehenden Stunden optimal einsetzen sollen. Die freundliche Dame zeigte uns auf der Karte die über den ganzen Park verstreuten Highlights. Wir leiden unter der Qual der Wahl. Trotzdem hat sich der Besuch im Visitor Center gelohnt, denn die Lady zeigte uns eine Kakteenart (gesichert in einem Tupperware-Geschirr) die unsere Kinder auf keinen Fall berühren sollten. Eine wichtige Information, der unsere drei Kinder auch die nötige Beachtung schenken.
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Auf geht's! zum ersten Highlight, dem "Cholla Cactus Garden". Ein kleiner Wanderweg (15 Minuten) führt durch eine wunderbare Galerie von Kakteen. Dabei verliert sich der Blick ab und zu in den ungeahnten Weiten: Eine Strasse die sich dort irgendwo in der Ferne verliert, sonst nichts, kein Haus, keine Stromleitung, kein gar nichts. Einsamkeit pur!
Iris, die Mutter unserer drei folgsamen Gören, knipst inzwischen einige Fotos und verlässt deshalb den vorgegebenen Pfad. Während dem Zurückgehen sieht sie eine hübsche, kleine Kaktuskugel, glaubt einen Augenblick Chapuisat zu sein, gibt der kleinen Kugel einen Tritt - und macht damit eine schmerzvolle Erfahrung: Diese Kakteen - die Lady hat uns gewarnt - haben Stacheln mit kleinen aber unglaublich stabilen Widerhacken. Aber aufgepasst, nicht mit blosser Hand entfernen, sonst sind Füsse und Hände fest miteinander verbunden. Kurz gesagt war es eine schwierige und nur mit Gewalt zu lösende Aufgabe das stachelige Ding wieder vom Fuss zu kriegen.
Zudem sehr schmerzvoll. Doch was erklären wir unseren Kindern immer wieder: "Wer nicht hören will muss fühlen."
Die Oktoberhitze glüht inzwischen wie Mama's Fuss. Nach wenigen Minuten sitzen wir wieder im gekühlten Camper,  trinken ein sich geradezu aufdrängendes Sprite und fahren zur nächsten Sehenswürdigkeit: "White Tank". Das sind grosse, wie von einem Riesen hingeworfenen Steinhaufen. Ein Kletterparadies für unsere Kinder. Die kurze Wanderung - den "Elefant" erreichen wir gerade noch - wird bald wieder abgebrochen, denn es ist uns einfach zu heiss. Wieder ein Sprite und weiter geht's zum "Sheep Pass". Dort springen die Kinder hinter Hasen und Streifenhörnchen (Squirrel) her. Weiter geht es durch eine schöne Gegend mit Joshua Tree's. Plötzlich sehen wir auf der Strasse ein Coyote im Schatten liegen. Er erhebt sich mit provokativer Langsamkeit und schlendert gemütlich davon, nicht ohne uns mit einem verachtenden Blick zu verabschieden.   

Wir verlassen den Park, tanken auf Rat der Parkverwaltung unseren Camper auf, besuchen (Kinderjubel) das örtliche McDonald's und fahren dann auf der Route 62 in Richtung Parker am Colorado River. Das bedeutet: Etwa 200 km oder 3 Fahrstunden durch das Nichts, kaum Gegenverkehr, nur fahren, fahren und fahren. Bei einem kurzen Fotohalt wird uns bewusst, dass es schweisstreibend gegen 50 Grad Celsius heiss sein muss. Die Schuld für mein etwas mulmiges Gefühl in der Magengegend kann ich fairerweise nicht McDonald zuschieben. Was geschähe bei einer Panne? Ohne funktionierendes Handy fühle ich mich als Mitteleuropäer in diesem Moment ziemlich verloren. Dieses eigenartige Gefühl verstärkt sich, als von hinten ein Chevy naht, langsam überholt und der ungepflegte Fahrer zu uns rüberschaut. Und das, obwohl ich doch gar kein typischer Fernsehkrimigucker bin.

In Parker biege ich zu früh ab und fahre auf der falschen Flussseite entlang dem Colorado River nordwärts. Prompt verpassen wir den angepeilten Campingplatz. Beim Parker Damm, der Staumauer des Lake Havasu, finden wir zurück auf die Hauptstrasse. Nach kurzer Zeit treffen wir im Campground "Sandpoint Marina Park" ein. Es ist bereits gegen 8 Uhr abends und die Registration geschlossen. Also suchen wir uns kurzerhand selbst einen freien Platz direkt über dem Wasser. Traumhaft!!  Unverzüglich springen wir ins lockende Nass. Das Wasser hat Badewannentemperatur und die Luft schiebt das Quecksilber kurz vor Sonnenuntergang immer noch auf abgelesene (nicht geschätzte) 45 Grad Celsius hoch. Wir sitzen nach dem eindrücklich inszenierten Sonnenuntergang noch lange draussen, versuchen das Erlebte zu verarbeiten, genehmigen uns den einen oder anderen mitgebrachten Drink, sehen den rumschwirrenden Kolibris zu und werden dabei nur durch einen streunenden Coyoten und durch zwei Eulen gestört.
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Sandpoint Marina Park

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