
Heute ist unser "Seaworld-Tag". Wir können gemütlich frühstücken,
da der Park erst um 10 Uhr öffnet und nur 4 Autominuten vom Hotel
entfernt ist. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man diese kurze
Strecke auch zu Fuss zurücklegen könnte. So was ist in den USA schlicht
und einfach nicht vorgesehen. Da müssten wir zumindest drei Highways zu
Fuss überqueren. Nun, wir entscheiden uns für das Auto und sind pünktlich
am Parkeingang um dort die horrenden Eintrittspreise berappen zu dürfen.
Die
Kinder wollen mit Papa's Geld viel erleben, drum geht's sofort los zur
"Bird Show". Nach drei Minuten ist der Akku meiner Videokamera
leer(!). Immerhin, die Sonne hat sich inzwischen gegen den Morgennebel
durchgesetzt und blendet jetzt in unsere Augen. Wo habe ich denn nur meine
Sonnenbrille? Ah, im Hotel. Scheint nicht der Tag des Autors zu sein. Nach
der Vogelschau (Prädikat: OK) geht es weiter zur "Arktik Show"
(Prädikat: Gut). Alle diese Shows wollen nicht einfach nur billige,
typisch amerikanische Unterhaltung bieten, sondern haben immer etwas
belehrendes an sich. Doch, ganz ehrlich gesagt, gelernt haben wir trotzdem
nichts. Hingegen gefreut an der typisch amerikanischen Show haben wir uns
schon. Wir
besuchen zuerst das Pinguingehege, bevor wir dann zum eindrücklichen
Haibecken spazieren. Beim Eingang können in einem kleineren Becken junge
Haie (etwa 80 cm lange) betrachtet
werden. Dann geht es abwärts zum Eingang des grossen Haibeckens. Eine
Rolltreppe führt die Besucher durch eine Glasröhre. Ausgewachsene Haie
schwimmen bedrohlich um uns herum. Dramatische Musik verstärkt das Gefühl,
etwas wirklich Gefährliches zu erleben. Gefährlich oder nicht, eindrücklich
ist es auf jeden Fall, und deshalb springen wir in verkehrter Richtung auf
der Rolltreppe zurück um noch einmal durchfahren zu können. Nun
geht es zum unbestrittenen Highlight - zu Shamu, dem Killerwal. Die Show
hat wohl jeder schon mal auszugsweise im Fernsehen gesehen oder durfte sie
in Florida oder hier in Kalifornien gar selbst erleben. Oder du hast dir den Film "Free Willy" angesehen. Der Autor weiss nicht, wie er
solche Shows beurteilen soll, aber dieses Zusammenspiel von Mensch und
Tier ist unbestritten ein bewegendes Erlebnis.
Zur Abwechslung benützen wir die Attraktion "Shipwreck Rapids".
Wir freuen uns zuerst, dass während dieser Fahrt nur Melanie so richtig
nass wurde. Schadenfroh geht es
um die letzte Kurve dem Ziel zu. Doch - oh Schreck! -, ein kleiner
Wasserfall und Papa ist
ebenfalls von oben bis unten nass. Was sich übrigens nicht als sehr
angenehm erweist, beträgt die Lufttemperatur doch nur etwa 20 Grad. Wir
werden dazu gezwungen, Melanie ein
(trockenes) T-Shirt zu kaufen. Dann
besuchen wir eine - zumindest für uns - neue Superlative: ein 4D-Kino.
Nun ja, wenn es bald in jedem Park eine 3D-Show gibt, muss mal was neues
her. Der Film übertrifft unsere Erwartungen bei weitem. Es handelt sich
um einen lustigen Piratenfilm, der wegen der speziellen Sitze im Kino sehr
lebendig wirkt. Die abgeschossene Kanonenkugel fliegt (wie bei 3D gewohnt)
knapp am Kopf vorbei. Gleichzeitig bläst ein Luftstrahl aus dem
Vordersitz, sodass dem Besucher die Kugel wirklich um die Ohren zischt.
Eine Schar kackende Möven fliegt über unsere Köpfe hinweg. Ein Spritzer
Wasser von der Decke herunter lässt das Plenum kreischen. In einer Höhle fliegt eine grosse Schar Fledermäuse
auf unsere 3D-Brillen zu und will sich auf unsere Köpfe setzen. Ein
Luftzug von hinten bewirkt , dass man tatsächlich das Gefühl hat, die
Viecher würden sich auf unsere Köpfe setzen. Bei allen Szenen, in denen
Wasser im Spiel ist, decke ich mit meinen Händen die sichtbaren Düsen am
Vordersitz ab. Man ist ja lernfähig. Der Film ist zu Ende, der Vorhang
senkt sich, wir können uns wieder entspannen, wir haben's geschafft.
Nochmals zieht der Hauptdarsteller den Vorhang auf und spuckt voller
Freude ins Publikum. Aus der zuvor von mir lange zugedeckten Düse spritzt
gleichzeitig ein Wasserstrahl in mein Gesicht. Die Zeit reicht auch noch für
die "Delphin-Show" (Prädikat: OK) sowie für eine Show mit
Seelöwen,
Walrosse und Frettchen (Prädikat: Gut). Der Park schliesst bereits um 5
Uhr. Die uns verbleibenden 20 Minuten verbringen die Kinder auf dem
grossen Spielplatz.
Nach einer Ruhephase im Hotel fahren wir wieder los um im Restaurant Mona Lisa
zu essen. Dort sind wir während unseres Sprachaufenthaltes oft
eingekehrt. Nach einer halbstündigen Irrfahrt - wir gaben nicht auf -
finden wir endlich unser Mona Lisa. Es sieht noch immer aus wie vor 15
Jahren: die selben abgesessenen braunen Ledersessel und die gleichen
rot-weissen Tischtücher. Wir fühlen uns viele Jahre jünger.
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