tagebuch day 16 |
Heute
erwachen wir - wahrscheinlich für einige Monate zum letzten Mal - in
einem Wohnmobil. Wir frühstücken unter dem knutschblauen Himmel, obwohl
knutschblau vielleicht gar keine Farbe ist. Es gilt nun, den Camper für
die Abgabe vorzubereiten. Der Wassertank muss voll sein, der Abwassertank
natürlich leer, das Geschirr sauber und der Boden besenrein. Das ganze
Programm kostet mehr Zeit als erwartet. Auf dem Weg zur Vermietstation
fahren wir noch beim Hotel "Holiday Inn" vorbei um dort unser
Gepäck zu deponieren. Clevere Idee! Die
Vermietstation von El Monte liegt am Las Vegas Boulevard. Das tönt so,
als wäre es ganz in der Nähe, doch werden wir bis zur Hausnummer 11000(!)
20 Minuten zu fahren haben. Und das wohlgemerkt nicht etwa im
Schritttempo, sondern unter Ausnützung der Tempolimiten. Die Abgabe geht
reibungslos über die Bühne. Der El Monte-Shuttle bringt uns zum
Flughafen, wo wir bei der Hertz-Autovermietung unseren Mietwagen
entgegennehmen. Einen - für uns - riesigen Lincoln Town Car. Nun fahren
wir zurück zum Hotel, wo wir ausnahmsweise zwei Zimmer gebucht haben.![]() Das "Holiday Inn" liegt an einer Seitenstrasse des berühmten "Strip" und ist frei von Geldspielautomaten. Unsere Kinder sind von der Playstation im Zimmer hell begeistert und spielen damit etwa eine Stunde, während der sich die Eltern etwas ausruhen. Die Kinder sind sich nicht bewusst, dass dies genauso kostenpflichtig ist, wie wenn sich "Bedürftige" Softpornos anschauen. Nun fragen wir an der Reception nach einem Transfer zum "Strip". Sofort werden wir von einem Hotelbus kostenlos dorthin gefahren. Der Fahrer bedankt sich artig für das Trinkgeld. Wir starten beim riesigen "MGM" Casino, dessen Attraktion - ungefähr zehn Löwen - in einem grossen Glasgehege rumschleicht. Durch das Gehege führt ein Tunnel aus Glas und in einem separaten Raum darf man sich zusammen mit einem Löwenbaby fotografieren lassen. Wir gehen ins "Luxor", mit der Hochbahn zum "Excalibur", zu Fuss weiter zum "New York", "Monte Carlo" und zum "Bellagio"; jedes dieser Casinos wartet mit einer speziellen Attraktion auf. Schaurig schön ist das Wasserspektakel beim "Bellagio", dessen Kulisse den Comersee stilisieren soll.
Wir wechseln die Strassenseite und befinden uns sogleich in Paris. Wir gehen unter dem Triumphbogen durch und Mutter besteigt den Eiffelturm um ein paar Fotos von Las Vegas zu schiessen. Bei einem Preis von $8 pro Person erachten wir eine Liftfahrt für die ganze Familie als zu teuer, sodass Iris bis heute das einzige, Eiffelturm-erfahrene Familienmitglied ist. Wir wechseln noch einmal die Strassenseite und besuchen das "Ceasar's". Mama fotografiert unsere Kids zusammen mit Ceasar und Cleopatra, während sich Papa in die Reihe der Wartenden für ein Taxi stellt. Unsere kurze Fahrt zurück zu unserem Hotel kostet $4.80. In Anbetracht der kurzen Fahrt und in meiner grosszügigen Ferienlaune halte ich dem schwarzen Fahrer $20 hin und bitte ihn, mir auf $8 rauszugeben. Erst im Nachhinein wird mir bewusst, dass dies ein Trinkgeld von 66% bedeutet. Dies scheint den Fahrer aber nicht wirklich zu befriedigen. Er gibt mir $7 Rückgeld. Da damit jedoch meine Reizschwelle von 150% Trinkgeld überschritten wird, interveniere ich heftig und kriege deshalb nochmals $5 Rückgeld. Tja, die versuchen wohl alles, egal ob schwarz, gelb oder weiss. Nach einer kurzen Pause nehmen wir unseren Lincoln und fahren ins Downtown zur Freemont Street. Bei der Einfahrt in ein Parkhaus haben wir uns zwischen der Spur "Self Parking" und "Valvet Parking" zu entscheiden. Letzteres tönt vertrauenswürdiger und wir folgen deshalb diesen Schildern bis zu einer kleinen Empfangskabine. Nun heisst es: Schlüssel abgeben, eine 2x4 cm grosse Quittung entgegennehmen - und weg ist die Luxuskarosse. Als unbedarfter Zeitgenosse frage ich: "Und was jetzt?" Der Angestellte antwortet: "Gehe, und geniesse das Kasino." Ohne zu wissen, ob Hertz den Mietwagen je wieder zurückerhalten wird, gehen wir durchs Casino und betreten die Freemont Street. Diese mit einer Lightshow überdeckte Strasse ist - wenn man genügend Zeit zur Verfügung hat - sicher ein Besuch wert. Der "Strip" sollte aber in der Planung Vorrang erhalten. In einem Steakhouse verpflegen wir uns, wobei die Wartezeit die Essenszeit massiv übersteigt! Gespannt gehen wir zum Parkhaus zurück. Und tatsächlich: Nach der Übergabe der Quittung dauert es nur zwei oder drei Minuten und der Lincoln wird wieder vorgefahren. Ein kritischer Blick auf die Nummer bestätigt: es ist der "unsrige". In weiser Voraussicht habe ich ein nettes Trinkgeld bereitgestellt, welches der Angestellte mit geübtem Griff in seiner Hosentasche verschwinden lässt. Nun, ehrlich gesagt, das Ganze hat irgendwie Spass gemacht und wir packen die nächste Herausforderung gelassen an. Tja, gestern haben wir im "Treasure Island" zwei schnusige Bären geschossen. Wir haben aber drei Kinder und so heisst das nächste Ziel "Treasure Island". Wir fahren mit dem gemieteten Luxusschlitten arschcool vor den Haupteingang des Casinos. Alle vier Türen werden von uniformierten Pagen aufgerissen, wir verlassen das Fahrzeug und marschieren mit bestimmten Schritten ins Casino um für zwei oder drei Dollar ein Bärchen zu schiessen. Anschliessend bewundern wir vor dem Hotel - zusammengepfercht mit ein paar hundert anderen Zuschauern - die spektakuläre Piratenshow, eine Live-Seeschlacht mit echtem Feuergefecht. Gemäss der Dame an der "neutralen" Holiday-Inn-Reception, "the best Show in Town". Danach lassen wir unseren Lincoln vorfahren und gehen zurück ins Hotel. |