tagebuch
day 11

Am heutigen morgen gilt der erste kritische Blick dem Wetter. Es sieht nicht schlecht aus, sodass wir uns entschliessen den von mir so ersehnten Bootsausflug auf dem Lake Powell zu starten.  Das heutige Sonderangebot erlaubt ein Start um 10 Uhr. Also sind wir 20 Minuten vor 10 Uhr im Office. Doch bedeutet ab 10 Uhr, dass wir zu dieser Zeit mit dem Check-In, dem Formularkrieg beginnen dürfen. Nicht dass etwa Bootserfahrung oder gar ein Bootsführerschein von Nöten ist, aber viele Unterschriften, dass wir alle Konsequenzen unserer Bootsfahrt selbst tragen werden. Meine europäische Mastercard hilft auch nicht die Angelegenheit zu beschleunigen. Nach dem Fassen der Schwimmwesten und einer kurzen Einführung von etwa 3 Minuten sagt der Instruktor "Have a nice day, bye". Also steht die erste Herausforderung an. Es heisst retour aus dem "Parkplatz" raus und dann durch den Hafen zum offenen See. 

Unser Boot, dass kleinste für 5 Personen geeignete, hat einen 135 PS Motor. Puhh, ganz schön viel Power für mich, der bisher nur mit max. 8 PS Zuckermotoren auf den nahegelegenen Seen rumgetuckert bin.  Ich gebe erstmals richtig Speed. Das Boot stellt sich auf, die Familie kreischt und mein Hütchen wird vom Wind weggeblasen. Also zurück mit dem Schub. Dann kreisen wir 5 mal um das Hütchen ohne es wirklich zu erwischen. Also lassen wir doch das Hütchen. Ist irgendwie im Preis inbegriffen. Weitere Versuche die 135 PS auszukosten ergeben erneut Reklamationen. Unbeirrt bleibe ich auf Speed bis das Boot sich wieder senkt und schön ins gleiten kommt. Wir fahren zuerst in einen falschen Canyon rein, doch der zweite Versuch gelingt und wir fahren in Richtung "Rainbow Bridge". Es ist sehr warm aber auch windig. Dort wo der See breit ist, sind doch spürbare Wellen vorhanden. Mit dem Speed von bis zu 55 Meilen oder rund 80 Kilometer schlägt es gewaltig beim überspringen der Wellen, doch ist es angenehmer als das "stampfen" bei mittlerer Geschwindigkeit. In einem ruhigen Seitenarm fahren auch alle Kinder mit dem Boot. Entsprechend dem Temperament der drei Mädchen fällt dabei die erreichte Geschwindigkeit sehr, sehr unterschiedlich aus. Nach etwa 2 Stunden "Reisezeit" finden wir einen wunderschönen Sandstrand und machen einen Landeversuch. Der Strand ist sehr flach, sodass ich den Motor (elektrisch) aus dem Wasser hieven muss. Wir gleiten also die letzten 4-5 Meter aufs Ufer zu. Ich bitte meine Familie doch die Hosenbeine hochzukrempeln und das Boot noch ganz an Land zu ziehen. Mama ruft den zwei kleineren zu "also springt doch endlich". Sie springen. Es war aber noch zu früh. Die Beiden versinken bis zum Bauchnabel im Wasser. Mit den Kleidern. Na ja, wir landen und die Beiden legen Ihre nassen Kleider zum trocken auf die Felsen.

Nachfolgend einige Informationen zum Lake Powell:
Der See ist benannt noch dem 1834 geborenen  Lehrer, Naturforscher und Geologe John Wesley Powell. Er war einer der Erforscher des Glenn Canyons wie auch des Grand Canyons. Am 13. März 1963 wurde die Staumauer nach 6 Jahren Bauzeit fertiggestellt. Der See, ein Labyrinth von Buchten und ertrinkenden Schluchten, begann sich langsam zu füllen. Es dauerte bis 1980, bis der See zum erstenmal den heutigen Level erreicht hatte. Der Seespiegel sank dann nochmals (Trockenheit) um 1984 dann definitiv gefüllt zu sein. Wir gehörten 1985 zu den "frühen" Gästen auf dem Lake Powell.
1972 wurde die Glen Canyon National Recreation Area gegründet.
Der See liegt auf 3700 Fuss. Lake Powell verfügt über etwa 100 Seitenarme, oder eben Canyons. Diese ergibt eine unglaubliche lange Küstenlinie von 1900 Meilen, oder 3000 Kilometer. Auf 3000 Kilometer findet sich auch im Hochsommer für jeden Gast ein einsames Plätzchen.
Das Gefühl an einem Strand - von denen es hier Hunderte gibt - zu baden und sonnen ist schon einzigartig. Der rote, feine Sand lädt nicht nur die Kinder zum spielen ein. Bald ist Zeit um wieder zurückzufahren. Um 16 Uhr müssen die Boote abgegeben sein. Ich bin überzeugt, dass der Zeitpunkt mit Absicht so früh angesetzt ist, da man auf dem riesigen See die Distanzen falsch einschätzen kann. Sicher auch wegen allfälligen Pannen, da die Suche von "Vermissten" nicht einfach mit einem Fernglas erledigt werden kann. Nun wir wollen los. Nur sitzt leider das Boot im Sand fest. Shit. 

Wir sind hier alleine, ganz alleine, weit und breit kein Mensch. Es braucht einige Kraftakte und ein paar der hier seltenen Wellen um das Boot Freizuschaukeln. Doch dann geht es wieder los. Langsam lasse ich den Motor runter und bei genügender Tiefe wird voll Schub gegeben. Doch irgendwie stimmt was nicht. Das Boot stellt sich zwar auf, doch kommt es nicht ins gleiten. Hmm. Dann sehe ich, dass der Motor nicht ganz im Wasser ist. Anfänger!! Also, nochmals die Hydraulik betätigt und es geht wieder voll Schnaps los. Inzwischen hat die Stimmung unter den Kinder dahingehend geändert, dass sie immer wieder fragen: "fährst Du schon Vollgas? Wir möchten noch schneller". Also wird über den See gedonnert, nicht ohne die faszinierende Wüstenlandschaft zu geniessen. Ist ein echt befriedigendes Gefühl. Da wir noch etwas zu früh sind, ziehen wir eine Zusatzschlaufe durch einen anderen Canyon und fahren noch zur Staumauer. Soweit man hinfahren darf. Zurück im Hafen wird getankt. Die Rechnung von über Fr. 100.- für den Sprit überrascht mich, zeigt doch die Tankanzeige noch einen halbvollen Tank an. Glücklich aber müde mag ich darüber nicht diskutieren. Zurück im Headoffice wird noch abgerechnet, dass heisst,  schadenfrei zurück erhalten wir das Depot erstatten. Inzwischen wieder "emotionell nüchtern" bemerke ich, dass beim tanken wohl ein Fehler passiert sei. Ich hätte über 80 Liter Sprit zahlen müssen. Die Dame nimmt eine Liste, fragt noch dem Bootstyp und bestätigt einen Tankinhalt von 150 Liter !!  Puhhh, das Boot säuft ja mehr als unser Camper.
Nach einem kurzen entspannen und verarbeiten des Tages gehen wir frisch gestärkt nach Page in ein Steakhouse. Wir kriegen den letzten freien Tisch und erfreuen uns an einem guten Abendessen. Ein genialer Tag, auf den ich mich so lange gefreut habe geht zu Ende. Und er war so schön wie erwartet. Das ist im Leben nicht immer so.
Danke.

   Weiter zur nächsten Seite