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Sprachen
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Von den gut vier
Millionen Menschen im Lande haben mehr als 95% das Norwegische als Muttersprache. Aber
alle, die norwegisch sprechen, sprechen nicht eine gemeinsame Sprache, denn Norwegen ist
offiziell ein zweisprachiges Land. Dazu kommt die Sprache der samischen Minderheit.
Briefmarkenliebhaber werden wissen, dass der
Landesname "Noreg" auf einigen Marken anstelle des üblichen "Norge"
kein Fehldruck, sondern die zweite offizielle Version zur Bezeichnung des Landes ist. Die
beiden norwegischen Schriftsprachen heissen bokmål und nynorsk, also
"Buchsprache" und "Neunorwegisch". Wer im Ausland Norwegisch lernt,
setzt sich mit bokmål auseinander, das für 80% der norwegischen Schulkinder die
Hauptsprache ist, während etwa 16% nynorsk lernen. Die Bewohner in den Kommunen bestimmen
selbst, in welcher Sprache ihre Kinder unterrichtet werden. Die Gleichstellung beider
Sprachen hat in den Massenmedien zu einer Quotenregelung geführt, so dass ein Viertel der
Beiträge in Radio und Fernsehen in Neunorwegisch abgefasst sind, was häufig zu
Streitereien darüber führt, welche Sendungen in welcher Sprache produziert werden
sollen. Auch wenn in den letzten 20 Jahren der prozentuale Anteil der Schüler an beiden
Sprachen gleich geblieben ist, gibt es keine völlige Ruhe an der Sprachenfront,
wenngleich der Streit recht friedlich ausgetragen wird.
Die grosse Mehrheit der bokmål-Sprechenden wohnt in den Städten und Industriegebieten,
während nynorsk vor allem in den ländlichen Gebieten des Westens und Nordens dominiert,
wo traditionelle lokale Dialekte gesprochen werden. Die heutige Situation im Lande lässt
sich nur aus der norwegischen, oder besser nordischen Geschichte verstehen. Das
Norwegische ist eine germanische Sprache, die mit dem Schwedischen und Dänischen eng
verwandt ist, so dass sich die Angehörigen aller drei Länder im grossen und ganzen
weitgehend problemlos verständigen können. Vor rund tausend Jahren gab es so etwas wie
eine gemeinsame Ursprache der Menschen im Norden (Altnordisch). Im späten Mittelalter
entfernte sich das Dänische aufgrund kultureller Einflüsse weiter von der einst
gemeinsamen Sprache. Da Dänemark aber im Mittelalter die politisch und wirtschaftlich
stärkste Macht in Skandinavien war und Norwegen völlig unter seinen Einfluss geriet,
wurde das Dänische um 1500 Verwaltungssprache in Norwegen. Zwar wurde in der Provinz
immer schon die dänische Schriftsprache durch eine spezifisch norwegische Aussprache
modifiziert, doch wollten nationalistisch gesinnnte Kräfte nach der Trennung von
Dänemark eine völlig eigene norwegische Sprache. Eine Möglichkeit dazu war, das
Dänische mit einer Vielzahl von Elementen der gesprochenen norwegischen Sprache zu
durchsetzen. Eine radikalere Lösung sah jedoch vor, auf der Basis eines "guten"
alten norwegischen Dialektes eine neue Schriftsprache zu entwickeln. Der Sprachenforscher
und Dichter Ivar Aasen, Sohn eines Bauern aus Westnorwegen, schuf Mitte des
19.Jahrhunderts ein Konstrukt auf der Grundlage verschiedener Dialekte, das
landsmål(Landessprache). Es dauerte einige Jahre, bis landsmål 1884 als offizielle
Sprache anerkannt wurde. Eine Reform 1901 führte dazu, dass sehr altertümliche Formen
durch solche ersetzt wurden, die stärker in den Dialekten verankert waren.
Mehrheitsfähig war das von den Gegnern als "Bauernsprache" abgewertete
landsmål jedoch nicht. Die Konservativen wollten auf jeden Fall die Sprache des
Stadtbürgertums, die "Reichssprache", beibehalten und verwahrten sich gegen
eine "geschmacklose Vermengung" der alten dänischen Schriftsprache mit
norwegischen Wörtern und Formen. Je mehr sich aber Norwegen von Dänemark entfernte,
desto mehr wurde die dänische Schriftsprache immer stärker in Wortschatz, Schreibweise
und Satzbau norwegisiert. Dies betraf auch die Schreibweise von Ortschaften, wo z.B. die
Hauptstadt nicht mehr Christiania, sondern Kristiania geschrieben werden musste. So
entstand eine Sprache, die man bokmål nannte, die "Büchersprache. Alle
Versuche, beide Sprachen zu einer zusammenzufassen, sind in der Vergangenheit gescheitert.
Dies tut der Kommunikationsbereitschaft keinen Abbruch. Die Norweger leben
kompromissbereit und ohne grosse Probleme mit dieser Situation. Wer Norwegisch - das meint
in der Regel bokmål - lernen will, hat dabei keine grösseren Hindernisse zu überwinden,
denn die Grammatik ist ausgesprochen einfach, die Ausnahmen halten sich in Grenzen.
Gewöhnen muss man sich allerdings an die singende Intonation der Sprache mit ihrer Hebung
am Satzende. Bleibt zu erwähnen, dass viele Norweger hervorragend Englisch sprechen und
viele recht gut Deutsch, so dass für den Touristen die Erlernung der Landessprache
absolut keine Notwendigkeit darstellt.
Sprache der Samen
Die Sprache der Samen gehört zum finno-ugrischen Zweig und ist mit dem Finnischen,
Estnischen und Ungarischen verwandt. Genau genommen gibt es nicht die samische Sprache,
sondern mindestens drei verschiedene, nämlich Süd-, Ost- und Zentralsamisch, die an
keine Staatsgrenze gebunden sind. Zentralsamisch lässt sich wiederum in ein Nord-, Lule-
und Pitesamisch untergliedern.
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